Vor 40 Jahren, am 30. Oktober 1970, hat der Deutsche Fußball Bund (DFB) sein Frauenfußball-Verbot aufgehoben. Frauen waren vom aktiven Fußball sogar noch ausgeschlossen, als sie in anderen gesellschaftlichen Bereichen längst Mitspracherecht und Gleichberechtigung errungen hatten. Zur Aufhebung des Verbots gab es einen wichtigen Grund. Die DFB-Funktionäre hatten Angst, dass die Frauen einen zweiten Fußballverband für sich gründen würden. Der DFB hätte damit seine Alleinherrschaft über den deutschen Fußball verloren. Der lange Kampf um die Anerkennung ist mit der Aufhebung des Verbots noch lange nicht zuende.
Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 kam es auch unter den Frauen zu einer Euphorie für den Fußballsport. Passte in der Zeit des Nationalsozialismus Fußball nicht zu dem angestrebten Frauenbild, so wird im Frühjahr 1955 aus mehreren deutschen Städten über fußballspielende Frauen und über die Gründung von Damenfußballvereinen berichtet. Im April spricht die Hamburger Bild-Zeitung von "fußballverrückten Grazien", und fragt, ob "der Fußball-Sturmlauf auf Stöckelschuhen noch zu stoppen" sei.
„Fußball-Sturmlauf auf Stöckelschuhen noch zu stoppen“
Nach dem BILD berichtete, dass junge Hamburgerinnen Deutschlands erste Damen-Fußballelf gegründet haben, meldeten sich überall in Deutschland fußballhungrige junge Frauen. Es gibt aber auch viele Gegner des Frauenfußballs. Allen voran der DFB. Am 30. Juli 1955 verbietet er seinen Mitgliedsvereinen Spiele mit weiblicher Beteiligung auszutragen. Den Vereinen drohen heftige Strafen, bis hin zum Ausschluss der Männermannschaften aus dem Spielbetrieb. Der DFB lehnt Damenfußball "aus grundsätzlichen Erwägungen und ästhetischen Gründen" ab. Unterstützt wird das Verbot von einer 1953 veröffentlichten Studie des niederländischen Psychologen und Anthropologen Frederik Jacobus Johannes Buytendijk. Der war der Meinung: „Das Fußballspiel als Spielform ist wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit. Es ist noch nie gelungen, Frauen Fußball spielen zu lassen, wohl aber Korbball, Hockey, Tennis und so fort. Das Treten ist wohl spezifisch männlich, ob das Getretenwerden weiblich ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls ist das Nichttreten weiblich.“
Der Verband hat den Frauenfußball durch sein Verbot zum Freiwild der Geschäftemacher gemacht. Trotz des Verbots wird in den Folgejahren in Deutschland weiter Frauen-Fußball gespielt. Geschäftsmänner kamen auf die Idee „Damenfußball“ als Kirmesspektakel zu präsentieren und lockten damit 18 000 Zuschauer zu einem ersten „Länderspiel“ ins Essener Mathias-Stinnes-Stadion. Die deutschen Frauen spielen am 23. September 1956 gegen eine niederländische Auswahl und gewinnen mit 2:1. Die Neue Ruhr Zeitung urteilt erstaunlich positiv. "Gute Kombinationen" werden vermeldet, und "dass die Sportart, die in Deutschland bisher nur Männern vorbehalten war, auch für Frauen durchaus möglich ist." Spiele dieser Art finden in den folgenden Jahren weiter statt.
Der Internationale Frauenfußball-Verband (ILAF) veranstaltet sogar ein als Europameisterschaft beworbenes Turnier. Das Geschäft mit brüstewackelnden Frauen im Sportdress funktioniert jedoch nicht wie gewollt. Die Veranstaltung im November 1957 wird zur Pleite. Lediglich 8 000 statt der erwarteten 20 000 Zuschauer besuchen die Spiele. Gegen den Veranstalter wird wegen Verdacht auf Betrug ein Haftbefehl erlassen.
Im Laufe der 1960er Jahre gründen sich im Süden und Westen Deutschlands Frauenfußball-Vereine. Viele lösen sich nach kurzer Zeit wieder auf, weil sie bei der Suche nach Trainings- und Spielmöglichkeiten immer wieder Rückschläge einstecken müssen. 1963 richtet der Niedersächsische Sportverband einen Fußball-Lehrgang für Frauen aus. Die Teilnehmerinnen sollen lernen, wie man Schülern Fußballunterricht erteilte. Die Botschaft: Frauen sollen weiterhin am Spielfeldrand bleiben.
Die Studentenbewegung und die zunehmende Emanzipation unterstützen die Entwicklung des Frauenfußballs Ende der 1960er. Am 30. Oktober 1970 findet im Köln-Müngersdorfer Stadion ein Länderspiel gegen Italien statt. Wie alle anderen Spiele, die zwischen 1955 und 1970 von Frauen bestritten wurden, wird auch dieses Länderspiel als inoffiziell gewertet.
Am gleichen Tag hebt der DFB auf seinem Bundestag in Travemünde das Frauenfußballverbot auf. Die Entscheidung fällt den Fußball-Funktionären schwer, sie hatten zahlreiche medizinische Gutachten in Auftrag gegeben und stellten eine Reihe von Sonderregeln auf. Frauen dürfen nur bei guter Witterung und nicht während der Wintermonate spielen. Die Spielzeit beträgt zweimal 30 Minuten, sie müssen mit leichteren Jugendbällen spielen und Stollenschuhe sind verboten. Die Idee einen speziellen Brustschutz vorzuschreiben wird jedoch wieder verworfen.
Der ehemalige "Bomber der Nation" Gerd Müller meint, dass Frauen lieber kochen statt kicken sollen und der Berliner Hertha-Star Uwe Witt verkündet in der Bild-Zeitung: "Wenn meine Frau spielt: Scheidung!"
Nur zögerlich entsteht ein Ligasystem mit Meisterschaft und Pokalen. Einen Meilenstein für den Frauenfußball legt Bärbel Wohlleben, als sie die Wahl zum „Tor des Monats“ in der ARD im September 1974 gewinnt. Im Finale um die erste deutsche Meisterschaft, die der DFB den Frauen 1974 endlich genehmigt, trifft sie aus 20 Metern zum 3:0 für ihren Verein TuS Wörrstadt gegen Eintracht Gelsenkirchen-Erle.
Erst 1982, acht Jahre später, gibt es wieder eine Nationalmannschaft. Zwölf Jahre lang hatte sich der DFB dagegen gesträubt. Zwei Jahre später findet die Endrunde der ersten offiziellen Europameisterschaft statt. Bis heute hat die deutsche Nationalmannschaft sieben Mal den Titel geholt.
In den 1990er wird der internationale Frauenfußball immer weiter ausgebaut. Die erste Weltmeisterschaft findet 1991 in China statt. Die USA gewinnt im Finale 2:1 gegen Norwegen, die deutsche Auswahl wird Vierter. Im neuen Jahrtausend erreicht die deutsche Frauen-Nationalmannschaft die Weltspitze und wird in den USA das erste Mal Weltmeister. Im Jahr 2007 haben sie ihren Titel verteidigt und stehen zurzeit in der ewigen Weltrangliste hinter den USA auf Platz zwei.
Trotz der großen Erfolge deutscher Mannschaften und der weltweiten Expansion des Frauenfußballs, ringt der Sport immer noch um seine Anerkennung. Geringe Zuschauerzahlen, spärliche Sponsorengelder und ein mageres Medieninteresse schränken die Möglichkeiten des Frauenfußballs ein. Bei der Weltmeisterschaft im Sommer 2011 wird wieder alles versucht werden, um die Popularität zu steigern. Sportlicher Erfolg reicht dafür nicht aus.