Die Weltmeisterschaft im Frauenfußball 2011 wird bereits als das größte Sportereignis des neuen Jahres betitelt. Das Turnier soll nicht nur nachhaltig positive Folgen für den Frauenfußball haben, sondern auch als ein lohnenswertes Erlebnis wahrgenommen werden. Aber wie viel Event lässt sich tatsächlich aus einer Sportart rausholen, die noch immer mit hohem Desinteresse und Vorurteilen zu kämpfen hat?
Der Weltverband FIFA jedenfalls hat einiges zu tun. Der erste Akt, nämlich die Wahl Deutschlands zum Austragungsort des Turniers scheint zumindest schon mal ein wichtiger Schritt Richtung Event zu sein.
Schließlich hat Deutschland spätestens mit der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2006 und der Austragung der Handball-Weltmeisterschaft 2007 seine Gastgeberqualitäten bei Sportveranstaltungen bewiesen. Zudem haben die Deutschen als Fußballnation nicht nur erfolgreiche männliche Kicker vorzuweisen. Die Frauenfußballvereine Turbine Potsdam und 1.FFC Frankfurt zählen weltweit zu den besten Clubs, und auch die deutsche Frauen-Nationalelf ist hochdekoriert. Als amtierender Welt- und Europameister, setzen sie bei der kommenden WM den Maßstab. So wird Deutschland bereits jetzt als Vorreiter und großer Förderer des Frauenfußballs wahrgenommen.
Eine nicht zu unterschätzende Annahme der FIFA, die, bestärkt durch den Wunsch nach hohem sozialem und medialem Interesse an dem Turnier, wohl zur Auswahl Deutschlands beigetragen hat.
Allerdings sind selbst in Deutschland weder gesellschaftliches Interesse noch eine langfristig hohe Berichterstattung gesichert. Dass zu einem gelungenen Event aber beides gehört, lässt sich genauso wenig wie die auch hier zu Lande untergeordnete Rolle des Frauenfußballs, abstreiten. Schließlich tummeln sich bei Partien der 1.Frauen-Bundesliga im Durchschnitt nur 800 Zuschauer.
Damit die Stadien bei der Weltmeisterschaft aber nicht auch leer stehen, hat die FIFA schon vorgesorgt. So finden die Spiele nicht in den Superarenen von Dortmund oder München statt, sondern in mittelgroßen Stadien, die um die 20 000 Plätze fassen. Lediglich die Finalstätte, das Olympiastadion in Berlin, und die Arena in Frankfurt, fallen mit Kapazitäten von über 70 000 bzw. 40 000 aus dem Rahmen. Leere Sitze sollen so weniger auffallen, Spiele als Großereignisse sichtbar werden.
Die Ticketpreise sind dementsprechend niedrig, so dass Familien, die Hauptzielgruppe der Veranstalter, die 20 000 Plätze füllen können.
Volle Stadien sind bei der Frauenfußball-WM auch finanziell für die FIFA von Nöten. Schließlich müssten rund 80% der 900 000 Tickets verkauft werden, um die erhofften 27 Millionen Euro Gewinn aus dem Ticketverkauf herauszuholen. Nur so wäre ein rentables Wirtschaften für die FIFA möglich, die hofft, etwa die Hälfte des Gesamtbudgets von 51 Millionen Euro so wiedereinzunehmen.
Rund 24 Millionen Euro hat die FIFA bereits durch Sponsoring-Verträge mit Nationalen Partnern wie der Allianz oder der Deutschen Telekom erwirtschaftet. Verträge, die nach Meinung einiger nur wegen dem Verkauf von Sponsoring-Paketen zustande gekommen sind. Diese Pakete sollen neben den Verträgen zu Frauenfußball-WM auch die der Männerfußball-WM enthalten haben, was das Interesse am Unterstützen einer Randsportart erklären würde. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass mögliche Sponsoring-Partner für die Männer-WM Schlage stehen, und auch die extrem hohen Beträge, die dabei fließen, sind bekannt.
Selbst wenn die Annahmen über mögliche Sponsoring-Pakete nicht bestätigt wurden, allein ihr Bestehen zeigt, dass der Frauenfußball immer noch gegen seinen Ruf kämpft, eine Sportart zu sein, die nur stattfindet, weil sie von dem beliebten Männerfußball getragen wird.
Dass eine Frauenfußball-WM überhaupt ohne ein wenig Hilfe von den Unterstützern des Männerfußballs als Großereignis stattfinden könnte, ist eher unwahrscheinlich, auch wenn einige Medien und Funktionäre die Unabhängigkeit propagieren.
Feststeht, die FIFA wird noch ein halbes Jahr vor Turnierbeginn einen enormen Aufwand betreiben müssen, um die Frauenfußball-WM zu einem erfolgreichen Event zu machen. Einen Aufwand, wie er im Männerfußball nie nötig wäre. Ob sich der Aufwand lohnen und Frauenfußball Eventcharakter beweisen wird, wird sich nach der Weltmeisterschaft zeigen. Nämlich dann wenn das mühsam aufgebaute gesellschaftliche und mediale Interesse auch nach dem Schlusspfiff nicht verstummt.