Frauenfußball

Fußball: Die Profis als Green-Keeper

Tobias Levels grätscht seinem Gegenspieler in die Beine. Während er dabei über den Rasen rutscht, reißt er mit seinen rund zwei Zentimeter langen Stollen den Rasen des Borussia-Parks auf. Wie bei einem Messer, das die Haut aufschlitzt, bilden sich zwei Lappen, die nicht mehr miteinander verankert sind.

Der Gladbacher Spieler Levels erwischt außerdem seinen Gegenspieler am Fuß. Der fällt auf den Rasen. Während seines Abrollens fliegen immer wieder kleine mosaikartige Rasenstücke umher. Tobias Levels steht auf und bemerkt die Verwüstung. Er nimmt sich die kleinen Rasenstücke stopft sie in die frei gewordenen Stellen und stampft sie mit seinem Fuß hinein.

Greenkeeper

Dort wo der Rasen aufgeschlitzt ist, wird es schwieriger. Levels nimmt die zusammengerollten Lappen, entrollt sie, legt sie auf die frei gewordene braune Muttererde und stampft die Lappen wieder fest zusammen. Ein letzter Tritt und alles scheint behoben.

Der Rollrasen, der erst vor kurzem im Borussia-Park gelegt worden ist, wird in dieser Saison besonderen Strapazen ausgesetzt. Neben der Bundesliga muss er ab Juni 2011 auch für die Frauen-Weltmeisterschaft herhalten. Mönchengladbach ist neben acht anderen Städten Austragungsort der Weltmeisterschaft. In Berlin, Frankfurt, Sinsheim, Bochum, Wolfsburg, Dresden, Augsburg und Mönchengladbach wird der Ball rollen.

Bis auf Frankfurt und Berlin alles Städte, die für die Austragung der Weltmeisterschaft der Herren 2006 nicht berücksichtigt wurden. Berlin darf aufgrund des Faktors der Hauptstadt das Eröffnungsspiel austragen. Durch die große Zuschauerkapazität im Berliner Olympiastadion wird ein neuer europäischer Zuschauerrekord bei einem Frauen-Fußballspiel erwartet. Die 44285 Zuschauermarke aus dem Jahr 2009 sollte mühelos überboten werden. Frankfurt gilt als die heimliche Frauenfußballhauptstadt durch den FFC Frankfurt. Aus diesem Grund wird am 17. Juni auch das Finale in Frankfurt ausgetragen. Bis auf Berlin, wo nur das Eröffnungsspiel ausgetragen wird, werden in jedem Stadion vier Partien stattfinden.

„Im Osten keinerlei Chance“

Durch die Auswahl fielen Magdeburg und Bielefeld. Bielefeld musste sich der großen regionalen Konkurrenz im Westen geschlagen geben und Magdeburg konnte keine genügende mediale Infrastruktur vorweisen.

Um dieser gerecht zu werden wäre eine Investition von rund drei Millionen Euro von Nöten gewesen. Der Magdeburger Bürgermeister sieht die Gründe jedoch woanders: „Ich bin darüber enttäuscht – und da kann man sich abrackern wie man will, dass man im Osten keinerlei Chance hat, wahrgenommen zu werden“.

Einen Nachteil für Städte im Osten sieht DFB Präsident Theo Zwanziger nicht: „Natürlich ist das für zwei Städte bitter, aber wir müssen so viele Faktoren berücksichtigen.“

Für die Austragung bedarf es nicht nur eines standesgemäßen Stadions. Auch die Trainingsstätten müssen WM-tauglich sein. Auch die Infrastruktur außerhalb des Platzes muss geschaffen sein. Günstige Verkehrsanbindungen, genügend Hotelbetten und ein Pressezentrum müssen vorhanden sein.

„Natürlich ist das für zwei Städte bitter, aber wir müssen so viele Faktoren berücksichtigen.“

Mönchengladbach erfüllte diese Faktoren. Dort betritt nach Schlusspfiff in der Bundesliga der Platzwart den Rasen. Er sondiert die abgetragenen Stellen des Platzes. In der Hand hält der Mann eine große Gabel. Hat er eine Stelle entdeckt, die durch das kampfbetonte Spiel der Akteure beschädigt wurde, setzt er seine Gabel an und stampft sie mit Schwung in die Erde. Dann lockert er die im Quadrat eingeschnittenen Blöcke und rückt sie mit seiner Gabel zurecht. Er macht sich zuerst im Strafraum an die Arbeit, denn dort sieht es aus als sei eine Maulwurfkolonie heimisch gewesen. Durch den frühen Winter mit viel Schnee, wird ihm die Arbeit nicht leichter gemacht. Doch nach jedem Spiel der Mönchengladbacher Borussia geht er nun mit einer neuen Verantwortung an die Arbeit.

Er stellt den Rasen nicht nur für die Bundesliga wieder her, sondern auch für eine Weltmeisterschaft.