Wenn sich der Mannschaftsbus der HSV-Fußballerinnen zu Auswärtsspielen Richtung Leipzig, Bremen oder Potsdam in Bewegung setzt, dringt in letzter Zeit wiederholt stimmungsvoller Gesang nach draußen. Dann sitzt Anna Hepfer gut gelaunt mit Kopfhörern im Ohr auf der Rückbank und singt lauthals die Lieder ihres mp3-Players rauf und runter. Auch von abfälligen Bemerkungen ihrer Mitspielerinnen lässt sie sich nicht stören. „Da kommen zwar öfter mal Sätze wie ‚Oh nein, nicht schon wieder’, aber da müssen sie drüber stehen“, lacht Hepfer, die im Sommer 2010 vom Verbandsligisten SC Vier- und Marschlande zur zweiten Mannschaft des HSV in die zweite Bundesliga gewechselt ist.
Die Weltmeisterschaft im Frauenfußball 2011 wird bereits als das größte Sportereignis des neuen Jahres betitelt. Das Turnier soll nicht nur nachhaltig positive Folgen für den Frauenfußball haben, sondern auch als ein lohnenswertes Erlebnis wahrgenommen werden. Aber wie viel Event lässt sich tatsächlich aus einer Sportart rausholen, die noch immer mit hohem Desinteresse und Vorurteilen zu kämpfen hat?
Ein Bericht über das Standing der Frauenfußballmannschaft des HSV.

Ein blondes Mädchen, knapp 1,70 m groß, durchtrainiert. Gewählte Ausdrucksweise, gute Schülerin, großer Freundeskreis. Wer Marisa Ewers auf der Straße begegnet käme wohl kaum darauf, dass die 22-Jährige eine der Stützen im Frauen-Bundesligateam des HSV und Juniorennationalspielerin ist. Wäre Marisa ein Mann in ähnlicher Position, sie könnte keinen Fuß vor die Tür setzen ohne von zahlreichen Passanten nach Autogrammen gefragt zu werden. „Von meinem Gehalt könnte ich zuhause ausziehen und mir eine Wohnung leisten ohne noch einen anderen Job machen zu müssen. Große Sprünge wären dann aber nicht drin“, sagt sie. Ein drei Jahre jüngerer Spieler bei den Hamburger Männern verdient bereits Millionen.
Während der Millionen-Poker um Übertragungsrechte für Fußball-Weltmeisterschaften der Herren und internationale Profiligen Bücher ebenso füllt wie die Medienseiten großer Zeitungen, blicken die Fans von Frauenfußball meistens in die Röhre. Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft werden zwar, wie man es von den Männern gewohnt ist, in aller Breite mit Vor- und Nachbetrachtungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt- von den Spielen in der Bundesliga findet man aber maximal vereinzelt im Regionalfernsehen Bilder. In der Regel ist das DFB-Pokalfinale, das bisher direkt vor dem Endspiel der Männer stattfand, die einzige Gelegenheit Vereins-Frauenfußball auf der Mattscheibe zu verfolgen.
Vor 40 Jahren, am 30. Oktober 1970, hat der Deutsche Fußball Bund (DFB) sein Frauenfußball-Verbot aufgehoben. Frauen waren vom aktiven Fußball sogar noch ausgeschlossen, als sie in anderen gesellschaftlichen Bereichen längst Mitspracherecht und Gleichberechtigung errungen hatten. Zur Aufhebung des Verbots gab es einen wichtigen Grund. Die DFB-Funktionäre hatten Angst, dass die Frauen einen zweiten Fußballverband für sich gründen würden. Der DFB hätte damit seine Alleinherrschaft über den deutschen Fußball verloren. Der lange Kampf um die Anerkennung ist mit der Aufhebung des Verbots noch lange nicht zuende.
Maja Schubert, 26 Jahre, ist eine von vielen Spielerinnen, die der HSV schon in jungen Jahren verpflichtete. Mit 16 Jahren wechselte die gebürtige Brandenburgerin in die Hansestadt. Seitdem spielt sie in der Bundesligamannschaft der HSV-Frauen und gehört damit zu den Erfahrensten im Team – auch wenn ihr der Sprung in die Nationalmannschaft verwehrt blieb. Im Interview spricht „Broschi“ über die Vorurteile im Frauenfußball und die Frauen-WM in Deutschland. Außerdem redet sie über den enormen Trainingsaufwand und über den ewigen Vergleich zu den Herren.
Eine Übersicht über die aktuellen Legionäre in der Frauenfußball-Bundesliga
Ein Bericht über Sexismus im Frauenfußball.

Ein Interview mit der 27-jährigen Mittelfeldspielerin des Hamburger SV.
Eine Slideshow über Turbine Potsdam.

Eine Übersicht über die Spielorte der WM 2011 in Deutschland.
Bei den Männern sind es Lionel Messi, Lukas Podolski oder Kaká, die zu den Superstars der Mannschaften bei einer WM zählen. Auch bei den Frauen ragen einige Spielerinnen aus ihren Mannschaften heraus. Wir haben den Superstar-Check der Frauenmannschaften durchgeführt. Auf der folgenden Doppelseite finden Sie die voraussichtlichen Top-Spielerinnen der WM 2011 in Deutschland.
Durchsetzungsvermögen, Leidenschaft, Fachkompetenz. Das ist der Job des Live-Kommentators. Eine Männerdomäne, gerade im Fußball.
Martina Knief sitzt auf der Pressetribüne der Commerzbank Arena, dem Stadion der Frankfurter Eintracht. Auf einem kleinen Tisch vor ihr liegen ein Aufnahmegerät, ein Kopfhörer und zahlreiche Kabel. Ein kleiner Fernseher rechts von ihr zeigt Spielszenen des vergangenen Spieltages. Mit dem Aufnahmegerät kann sich Martina Knief in den hessischen Rundfunk einwählen und ihren Live-Kommentar abgeben. Ihre blaue Jacke hat sie auf den Stuhl neben sich gelegt. Auf dem Boden liegen Papierschnitzel. Luxus sieht anders aus. Zwei Sitzreihen tiefer guckt der Kollege von Sky in zwei große Fernseher und haut wild in die Tasten seines Laptops. Fernsehen war schon immer lukrativer. Doch darum geht es Martina Knief nicht. Das Radio ist ihre Passion.
Auf dem großen Glasschreibtisch herrscht heilloses Durcheinander. Nebenan füllen dicke Ordner die glänzenden schwarzen Regale. Das Telefon klingelt im Minutentakt.
Gerade in den letzten Monaten ist das Büro von Steffi Jones nicht unbedingt ein Ort der Ruhe. Schließlich wird von hier aus die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland organisiert.
„Nachdem die Gruppengegner bei der Endauslosung am 29.November festgestellt wurden, wird noch ausgiebiger gearbeitet als zuvor“, bestätigt die Chefin des Organisationskomitees den täglichen Stress.
Gerade sieben Minuten sind gespielt. Alexandra Popp erzielt ihren zehnten Treffer im sechsten Spiel. Erst ein langer Ball von Schmidt, dann Kopfballverlängerung Popp. Das Laufduell mit Nigerias Joy Jegede gewinnt sie locker und setzt per Lupfer die Kugel in die lange Ecke. „Den habe ich mit meinem viel schwächeren rechten Fuß gemacht“, erzählt die in Witten geborene Stürmerin stolz. 1:0 für Deutschland im U20 WM-Finale der Frauen.
Sie ist bisher die Einzige. Sie ist die First-Lady. Und sie schrieb Fußball-Geschichte. Bibiana Steinhaus pfeift seit 2007 in der zweiten Bundesliga – und zwar der Herren. Mittlerweile ist sie im Kreise ihre männlichen Kollegen etabliert. In einer Saison leitet sie etwa zehn bis zwölf Zweitligaspiele.
Tobias Levels grätscht seinem Gegenspieler in die Beine. Während er dabei über den Rasen rutscht, reißt er mit seinen rund zwei Zentimeter langen Stollen den Rasen des Borussia-Parks auf. Wie bei einem Messer, das die Haut aufschlitzt, bilden sich zwei Lappen, die nicht mehr miteinander verankert sind.
30. November 1991. Samstagabend vor dem ersten Advent. Guangzhou, China. 87. Spielminute. Michelle Akers umkurvt die norwegische Torhüterin. Tor. 65.000 Zuschauer im Tianhe-Stadion jubeln. 2:1. Die USA sind die ersten Frauenweltmeisterinnen der Fußballgeschichte.
„Macht euch nicht in die Hosen. Wir können das Spiel noch drehen.“, schrie Bernd Schröder durch die Kabine des Babelsberger Karl-Liebknechtx-Stadions. Es war der 9. Mai 1990. Die neu gegründete DDR-Frauennationalmannschaft lag im Länderspiel gegen Tschechien 0:1 zurück. Ein Spiel, das Frauenfußballgeschichte schreiben sollte und es auch tat. Als erstes und einziges Länderspiel der DDR-Frauen.