Portrait

Interview Maja Schubert

Maja Schubert, 26 Jahre, ist eine von vielen Spielerinnen, die der HSV schon in jungen Jahren verpflichtete. Mit 16 Jahren wechselte die gebürtige Brandenburgerin in die Hansestadt. Seitdem spielt sie in der Bundesligamannschaft der HSV-Frauen und gehört damit zu den Erfahrensten im Team – auch wenn ihr der Sprung in die Nationalmannschaft verwehrt blieb. Im Interview spricht „Broschi“ über die Vorurteile im Frauenfußball und die Frauen-WM in Deutschland. Außerdem redet sie über den enormen Trainingsaufwand und über den ewigen Vergleich zu den Herren.

Im Vergleich zu den Männern können nur die wenigsten Fußballerinen von ihrem Sport leben. „Broschi“, bist Du manchmal neidisch auf die Männer?

Ja, in gewisser Weise ist das schon unfair. Ich brauche nicht unbedingt so einen Luxus, aber der enorme Aufwand den wir haben, wird nicht ansatzweise so vergütet wie bei den Herren. Wir müssen sogar unsere Trainingsklamotten selber waschen. Bei den Männern habe ich manchmal das Gefühl, dass denen sogar zu viel abgenommen wird, die brauchen ja nicht einmal mehr selber zu kochen.

Eine ganz normale Trainingswoche von „Broschis“ mit Auswärtsspiel

  • Montag

    • 7.30 Uhr aufstehen
    • 8.30 Uhr zur Ausbildung
    • 15.30 Uhr Feierabend kurz nach Hause
    • 17.00 Uhr zum Training
    • 18.30 Uhr Trainingsstart (Auslaufen oder lockeres Training)
    • 21.30 Uhr wieder zu Hause
  • Dienstag

    • 7.30 Uhr aufstehen
    • 8.30 Uhr zur Ausbildung
    • 16.00 Uhr Feierabend direkt zum Training
    • 18.30 Uhr Trainingsstart (Passübungen, Zweikampf)
    • 21.30 Uhr wieder zu Hause
  • Mittwoch

    • 7.30 Uhr aufstehen
    • 8.30 Uhr zur Ausbildung
    • 15.30 Uhr Feierabend kurz nach Hause
    • 17.00 Uhr zum Fitnessstudio
    • 18.30 Uhr Trainingsstart (Maximalkraft)
    • 20.30 Uhr wieder zu Hause
  • Donnerstag

    • 7.30 Uhr aufstehen
    • 8.30 Uhr zur Ausbildung
    • 16.00 Uhr Feierabend direkt zum Training
    • 18.30 Uhr Trainingsstart (Spielzüge, Zweikampf)
    • 21.30 Uhr wieder zu Hause
  • Freitag

    • 7.30 Uhr aufstehen
    • 8.30 Uhr zur Ausbildung
    • 15.30 Uhr Feierabend kurz nach Hause
    • 17.00 Uhr zum Training
    • 18.30 Uhr Trainingsstart (Abschlusstraining: Spiel)
    • 21.30 Uhr wieder zu Hause
  • Samstag

    • Auswärtsspiel Potsdam 13.00 Uhr Treffpunkt Hauptbahnhof
    • 16.00 Uhr Ankunft
    • 17.00 Uhr Training (Lockeres Spielchen, Torschuss)
    • 23.00 Uhr Bettruhe
  • Sonntag

    • Bis 8.00 Uhr Frühstück
    • 9.00 Uhr Mannschaftsbesprechung
    • 9.30 Uhr Abfahrt
    • 11.00 Uhr Anpfiff
    • 14.15 Uhr Abfahrt
    • 17.15 Uhr wieder zu Hause

Und wie geht man als Frau damit um, wenn Leute behaupten Frauenfußball sei ein Lesbensport?

Dann ist das halt so, Fußball ist nun mal als Männersport populär geworden. Man braucht das ja auch nicht zu verheimlichen, dass es einige Lesben im Frauenfußball gibt, aber das hat ja nichts mit dem Sport an sich zu tun. Beim Ballett gibt es sicherlich auch einige Schwule, aber das ändert ja keineswegs etwas an der Leistungsfähigkeit dieser Personen.

Was machst Du denn beruflich und wie lässt sich das mit dem Fußball vereinen?

Ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung zu Fitnessmanagerin gemacht, das war neben dem täglichen Training teilweise schon sehr stressig. Aber ich lebe nicht in der Illusion, mit dem Fußball mein Leben zu finanzieren. Deswegen habe ich mir ein sicheres Standbein aufgebaut – der Fußball ist und bleibt für mich ein zeitaufwändiges Hobby.

Wie zeitaufwändig ist es denn?

Es ist schon eine Menge Zeit, die der Fußball in Anspruch nimmt. Wir trainieren fünfmal die Woche: vier Platzeinheiten und eine Krafteinheit stehen auf dem Trainingsplan. Die Nicht-Berufstätigen unter uns trainieren sogar vormittags und die Nationalspieler müssen dazu noch ihren individuellen Trainingsplan berücksichtigen.

Und wie stark beschäftigst Du Dich dann in Deiner Freizeit noch mit dem Fußball?

Ich muss ehrlicherweise gestehen, dass ich mich mit Frauenfußball kaum beschäftige. Wenn ich mir gelegentlich Spiele anschaue, bin ich selber immer geschockt, über das vergleichbar langsame Tempo – vielleicht ist der Sport auch deswegen für viele Zuschauer so unattraktiv. Aber die Bundesligaspiele der Männer verfolge ich schon regelmäßig im Fernsehen.

Maja Schubert
Maja 'Broschi' Schubert vom Hamburger SV

Im Sommer steht die Frauen WM im eigenen Land an. Gibt’s da auch ein Sommermärchen, einen Hype wie bei den Männern?

Der deutsche Frauenfußball hat in den letzten Jahren sicherlich eine gute Entwicklung genommen, und er wird durch die WM in Deutschland auch noch einmal populärer. Dennoch denke ich nicht, dass es einen so extremen Hype wie bei den Herren geben wird. Die Zuschauerzahlen werden bei diesem Event zwar vorübergehend steigen, aber das wird nach einiger Zeit auch wieder nachlassen und sich leider nicht auf die Bundesliga übertragen.

Welche deutschen Spielerinnen werden denn Deiner Meinung nach für Furore sorgen?

Ganz klar: meine Mitspielerin Kim Kulig, aber auch Lira Bajramaj von Turbine Potsdam. Das sind beide ganz besondere Spielertypen. Ich bin mir sicher, dass sie die Leute begeistern werden.

Wirst Du die beiden und das deutsche Team dann auch als Fan unterstützen?

Auf jeden Fall. Ich möchte unbedingt nach Berlin zum Eröffnungsspiel gegen Kanada. Ich hoffe, der Verein kann uns Karten besorgen.

Wenn Du schon so respektvoll von andere Spielerinnen sprichst, wer ist eigentlich Dein sportliches Idol?

(Lacht) Das hat eigentlich überhaupt nichts mit Fußball zu tun, aber Roger Federer bewundere ich ganz besonders, der ist einfach cool. Durch seine ruhige, bestimmte Art, gewinnt der immer seine Partien. Noch vor einigen Jahren hab ich gerne auch dem Franzosen Zidane beim Fußballspielen zugeschaut.

Was können die Männer noch von den Frauen lernen und umgekehrt?

Die Männer sollten nicht immer so wehleidig sein. Das klingt zwar komisch, aber die Frauen bleiben nur liegen, wenn ihnen auch wirklich etwas passiert ist. Eine gewisse Cleverness könnten sich die Frauen jedoch schon von den Männern abgucken - vielleicht sind wir einfach zu fair (lacht).

„Broschi“, vielen Dank für das Gespräch.