Auf dem großen Glasschreibtisch herrscht heilloses Durcheinander. Nebenan füllen dicke Ordner die glänzenden schwarzen Regale. Das Telefon klingelt im Minutentakt.
Gerade in den letzten Monaten ist das Büro von Steffi Jones nicht unbedingt ein Ort der Ruhe. Schließlich wird von hier aus die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland organisiert.
„Nachdem die Gruppengegner bei der Endauslosung am 29.November festgestellt wurden, wird noch ausgiebiger gearbeitet als zuvor“, bestätigt die Chefin des Organisationskomitees den täglichen Stress.
Mit der Bewerbung 2007 hat für die ehemalige Nationalspielerin vor drei Jahren das Abenteuer „WM 2011“ begonnen. Am Tag des Interviews sind es noch knapp 200 Tage bis zum Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen Kanada am 26.06.2011 und der Zeitplan sieht bis dahin noch viele interessante Aufgaben für Jones vor.
Neben den Tätigkeiten in der DFB-Zentrale, steht in den nächsten Wochen besonders die gemeinsame Welcome-Tour der FIFA und des Organisationskomitees für sie an.
„Bei dieser Reise durch alle teilnehmenden Länder, soll die Aufmerksamkeit der internationalen Presse vermehrt auf die WM gelenkt werden“, erzählt die 38-Jährige.
Darüber hinaus gibt es in den neun Austragungsorten Countdown-Veranstaltungen, um gerade das Publikum in den WM-Städten noch einmal direkt anzusprechen und auf WM-Spiele in der eigenen Stadt aufmerksam zu machen. Jones muss auch hier eine gute Figur abgeben und die Menschen für das Turnier begeistern.
Die Tochter eines US-Soldaten und einer deutschen Mutter ist das Kämpfen gewohnt.
Gerade ihre Kindheit in Bonames, einem der ärmsten Frankfurter Stadtviertel, machte sie zu einer starken Persönlichkeit- erst als Spielerin auf dem Platz und jetzt auch als Repräsentantin des deutschen Frauenfußballs. Sie weiß, dass im Land des amtierenden Weltmeisters noch lange nicht jeder vom Frauenfußball überzeugt ist.
Die grenzenlose Begeisterung für den Männerfußball ist nicht selten ein Hindernis für Steffi Jones und ihre Kollegen. Umso höher ist der bisherige Erfolg beim Verkauf der Tickets für das Turnier im nächsten Jahr zu bewerten.
„Aktuell wurden bereits mehr als 400 000 Tickets verkauft, davon alleine mehr als 50 000 direkt im Anschluss der Gruppen-Endauslosung“, berichtet die OK-Chefin.
„Die aktuellen Verkaufszahlen deuten darauf hin, dass die WM 2011 national und international auf großes Interesse stößt“, fügt sie an.
Damit das auch so bleibt, bespricht sich Jones regelmäßig mit den DFB-Mitarbeitern der Presseabteilung. Die Medienarbeit gehört im Konzept der Ex-Nationalspielerin zu den wichtigsten Aufgaben. Diese muss erfolgreich verlaufen, damit die Marketingziele des Organisationskomitees erreicht werden können. „Neben der täglichen Aktualisierung und Pflege des Presseportals gehören auch Online Banner, Anzeigen in Tageszeitungen und die regelmäßige Berichterstattung in Stadionheften und dem DFB-Journal zu unseren Routineaufgaben dazu“, erklärt die ehemalige Verteidigerin des 1.FFC Frankfurt.
Sie klingt dabei souverän und ruhig. Wohl wissend, dass sie ein kompetentes Team um sich herum hat. Angeführt vom Generalkoordinator Uli Wolter, der vor und während der WM 2006 als Leiter der OK-Außenstelle Leipzig eng in die wesentlichen WM-Abläufe eingebunden war, besteht das Organisationskomitee neben Jones aus insgesamt fünf Mitgliedern. Diese sind für die operativen Vorbereitungen der WM 2011 verantwortlich.
„Außerdem leisten sechs nationale Förderer einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der WM“, ergänzt Jones. „Oftmals sind das Sponsoren und Agenturen, die sich Marketingmaßnahmen, wie Werbespots oder Werbekampagnen überlegen und diese mit uns abstimmen“. Auch bei zukünftigen Länder- und Pokalspielen wird das OK der Frauen-WM mit einem Indoor- und einem Outdoorstand vertreten sein. Dort sollen sowohl Give Aways als auch Ticket-Flyer für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 verteilt werden. Man wolle dabei natürlich versuchen alle Zielgruppen zu erreichen. Jedoch liege ein besonderer Fokus auf dem Interesse von Familien, Kindern und Vereinen mit einer Mädchen-Fußball-Abteilung. Deshalb wird Jones in den wenigen freien Tagen der Welcome-Tour zusätzlich die Schulen der WM-Orte besuchen, um das Interesse der Kinder anzuregen.
Solche Events begeistern die OK-Chefin ohnehin mehr, als stundenlang an einem überfüllten Schreibtisch Telefonate zu führen.